Weniger ist mehr. Noch weniger ist Perfektion.
Reduktion passiert, wenn man weglässt, was überflüssig ist. Klingt wie ein einfacher, natürlicher Prozess, aber das täuscht. Reduktion ist mühsam. Erst wer alle Wege der Komplexität durchdacht hat, gelangt zum Wesentlichen und findet das Prinzip des goldenen Schnitts. Oder entwirft wie Dieter Rams in den 1960er Jahren Elektrogeräte für die Firma Braun, deren klare Formensprache bis heute lebendig ist, zum Beispiel im radikal reduzierten Apple-Design. Aber Rams hat nicht nur Designmaßstäbe gesetzt, er hat sie auch in einer Art Manifest verdichtet: „Gutes Design ist so wenig Design wie möglich.“ Diese letzte seiner zehn Thesen funktioniert auch als Quintessenz der Vereinfachung. Wie wenig ist möglich? Wie viel kann man weglassen? Alles, bis auf die Funktion. Dann kommt die Ästhetik von allein.

So wohnen
Götter.

„Einfachheit ist die höchste Stufe der Vollendung.“ Gesagt hat das der italienische Universalgelehrte und Künstler Leonardo Da Vinci im 15. Jahrhundert. Aber natürlich ist das Prinzip der Vereinfachung sehr viel älter und man kann es sogar ausrechnen:
In Worten: Das Verhältnis des Ganzen zu seinem größeren Teil entspricht dem Verhältnis des größeren zum kleineren Teil. Die Formel des Goldenen Schnitts taucht zum ersten Mal in den Schriften des Mathematikers Euklid von Alexandria auf, der im 3. Jahrhundert vor Christus gelebt haben soll. Zwei Jahrhunderte später wurde das Parthenon auf der Akropolis in Athen gebaut. Eine Kultstätte für Athene, die Göttin der Weisheit, der Künste und des Kampfes. Es gibt Dutzende von Möglichkeiten, Säulen um das Innere des Tempels zu gruppieren: Als Front- oder Wandsäulen, in einem Rund, einem Rechteck, ein- oder doppelreihig. Hier half der Goldene Schnitt den Baumeistern dabei die Masse der Möglichkeiten zu bändigen. Durch die harmonische Teilung von Unter- und Überbau sowie Front- und Flankensäulen erhält das Gotteshaus nicht nur Ordnung, sondern auch ein Stück Spannung. Ausgeglichen, aber nicht statisch. Einfach vollkommen.

Fünf Töne
sind genug.

Wir haben gar keine Wahl. Ein gutes Logo klettert unaufgefordert in unseren Kopf und bleibt. Der deutsche Typograph und Grafikdesigner Kurt Weidemann (1922-2011) formulierte es so: „Ein Logo ist dann gut, wenn man es mit dem großen Zeh in den Sand kratzen kann.“ Je simpler, desto eindeutiger. Und je eindeutiger, desto einprägsamer. Das gilt auch für Soundlogos. C-C-C-E-C. Fünf schnelle Töne in C-Dur. Und schon können wir gar nicht anders und denken: Telekom. Komponiert hat das Soundlogo der amerikanische Musiker Christopher McHales. 1998 war das – drei Jahre nach der Gründung der Telekom AG als Erbin der Deutschen Bundespost.

Inspiriert wurde McHales vom neuen Logo des Telekommunikations-Unternehmens: drei graue Kästchen, ein pinkfarbenes T, noch ein graues Kästchen. Mitgezählt? McHales erster Gedanke: Es müssen fünf Töne sein, und der vierte soll – entsprechend dem großen T – höher sein als die anderen. C-C-C-E-C. Kommunikation ist digital und komplex geworden – aber wir machen daraus ein einfaches Erlebnis. Das verspricht uns dieses Logo, das so gut ist, dass man es sofort nachpfeifen kann.

Zurück
zur Natur.

Erst malten wir mit unseren Fingern, dann benutzten wir Zweige, Pinsel oder andere Werkzeuge. Erst malten wir, was wir sahen, an Höhlenwände. Dann schrieben wir, was wir dachten, träumten und erlebten, auf Papier. Schließlich erfanden wir eine Maschine, die Daten verarbeiten kann. Wer mit dem Computer umgehen wollte, musste das, was er von der Maschine wollte, in Quellcode übersetzen. Das konnten ein paar Harvardabsolventen, der Rest blieb außen vor. Dann kamen die 1970er Jahre und Apple – und aus der Rechenmaschine wurde ein Personal Computer, der die Komplexität hinter den Bildschirm bannte. Die Bedienung wurde intuitiv.

Besonders als Apple 1983 eine der ersten Computermäuse auf den Markt brachte. Klick. Auch heute noch ist die Maus ein geniales Eingabegerät. Und eine revolutionäre Vereinfachung: Wie der Stift war sie eine Art verlängerter Finger, mit dem alle ganz selbstverständlich umgingen. Nach und nach wurde die Maus immer vielseitiger einsetzbar und gleichzeitig immer schlanker, reduzierter. Kabel, sichtbare Tasten und sogar das Scroll-Rad verschwanden. Vielleicht wird bald auch die restliche Materie überflüssig. Und der Finger erledigt den Job wie beim Smartphone wieder direkt.

Radikal einfach
und intuitiv.

Wie man ein Smartphone benutzt, wie man damit telefoniert, surft oder Filme macht, weiß jeder, der eins hat. Wie der Prozessor hinter dem Touchscreen funktioniert, weiß so gut wie keiner. Und das ist gut so. Unsere Welt ist zu komplex, als dass man jedes Detail verstehen könnte. Oder müsste. Das sah auch der deutsche Produktdesigner Dieter Rams so: „Gutes Design macht ein Produkt verständlich“ und „Gutes Design macht ein Produkt brauchbar“ lauten zwei seiner insgesamt zehn Thesen für gutes Design.

Das Interface unseres neuen Heizsystems haben wir so radikal intuitiv gestaltet, dass eine Bedienungsanleitung für System M überflüssig wird. Worauf Sie sich verlassen können: Ihr System M arbeitet immer maximal effizient – egal wie warm oder kalt es draußen ist, egal welche Innentemperatur Sie sich in welchem Zimmer wünschen und egal, wie lange Sie duschen. Ihre Bedürfnisse steuern Sie per Fingertipp einfach über das Touch-Display am Gerät oder über die Smart Room Heating App auf dem Smart Device. Alles, was Sie sehen und berühren, ist alles, was Sie wissen müssen.